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Der Berliner Wohnungsmarkt – ein hoffnungsloser Fall?
Berlin als Dauerbaustelle und doch hat die Stadt zu wenig Wohnungen. | Foto: analogicus auf Pixabay

Der Berliner Wohnungsmarkt – ein hoffnungsloser Fall?

16. Dezember 2020

Geht man in Berlin auf die Suche nach einer Wohnung, wird man entweder von den horrenden Preisen beim Kauf einer Eigentumswohnung erschlagen oder wundert sich über die wenigen akzeptablen bezahlbaren Wohnungen. Berlin hat ein bekanntes Problem: zu wenig Wohnungen für zu viele Wohnungssuchende. Diesen Konflikt sollen die landeseigenen Wohnungsunternehmen auffangen und allen voran mit Neubauten Abhilfe schaffen.

Umsetzung schwerer als gedacht

Aktuell sind es etwa 320.000 Wohnungen, die zu den sechs landeseigenen Wohnungsgesellschaften gezählt werden. Schaut man sich die Entwicklung des Bauens von Landes-Wohnungen in Berlin an, erkennt man die Diskrepanz zwischen Vorgaben und Realität. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen gibt vor, dass 194.000 Wohnungen laut dem „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2030“ entstehen sollen. Dagegen hinkt die Realität deutlich mit 32.756 Wohnungen hinterher, die ,laut der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft im August 2020,von 2017 bis 2021 fertig gestellt oder auf den Weg gebracht wurden . Berlin soll eine Stadt werden, in der es für alle möglich sei, zu Wohnen, so der Regierenden Bürgermeister Michael Müller im August dieses Jahres.

Doch warum klappt es nicht?

Das erste Argument, das sofort fällt, ist die Corona-Krise. Doch schaut man genauer hin, sieht man viel tiefliegender Probleme, die den Aufschub erst ermöglichten. Die Stadt wurde über Jahrzehnte kaputt gespart, statt darin zu investieren. Das zeigt sich jetzt besonders. Zum einen werden Baugenehmigungen nur langsam erteilt, wodurch Bauprojekte nur im Schneckentempo realisiert werden können oder die Bauunternehmer schon vorher insolvent gehen. Zum anderen wiegt ein Grund aus dem vergangenen Jahr zusätzlich schwer. Laut dem Bericht der Bundesregierung zur „Wohnraumförderung 2019“ hat es der Senat in Berlin versäumt, Milliarden an Bundesförderungen für den geförderten Mietwohnungsbau in Anspruch zu nehmen.

Hoffnungslos? Ideen müssen her!

Kritisch sieht das auch Stefan Förster, Sprecher für Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin. Seiner Meinung nach würden bei derzeitigem Baustand bezahlbare Mieten Zukunftsmusik bleiben. Er schlägt zur Unterstützung des Neubaus die Identifizierung von Baulücken, Beschleunigung des Baugenehmigungsprozesses und die Ausweitung des Ausbaus von Dachgeschosswohnungen vor.

Von der Wohnungs- in die Corona-Krise – zurück in die Wohnungskrise? (kk)